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Kreativ-Synthetische Methode

Bestimmte Terminologien klassifizieren im Alphabetisierungsbereich die Methoden, deren Hauptrichtungen im Folgenden kurz erläutert werden sollen. Die phonetischen Methoden verbinden vom Beginn des Unterrichts an die Laute mit den Buchstaben und stammen zumeist aus dem französischen Sprachraum. Sie verbinden einen Konsonanten mit verschiedenen Vokalen (z. B. li, la ,lo / bi, ba, bo, usw.). Die globalen Methoden hingegen beginnen zuerst mit dem Ganzwort-Lesen. Das Lesen ganzer Wörter als Methode führt eine Menge von Wörter vor, ohne diese jedoch im Einzelnen zu buchstabieren oder die Verhältnisse zwischen den Lauten und Buchstaben zu erklären. Nach diesen Methoden soll das optisch Gelernte und der vorhandene Wortschatz in einer späteren Phase als ein Repertoire für die Laut-Buchstabe-Identifizierung dienen. Vertreter dieser Richtung finden sich meist im englischen Sprachraum wieder.

Unsere Synthethische Methode ist nicht nur eine Zusammensetzung aus der phonetischen und der globalen Methode, sondern erschließt im Rahmen der Gestaltlerntheorie das Prinzip des einsichtigen Lernens.

Der Begriff „kreativ“ bezieht sich in der Linguistik speziell auf die generativen (erzeugungsfähigen) Aspekte der Sprache. Zwischen dem Terminus „kreativ“ und „generativ“, die Chomsky in seinen Schriften beide verwendet, musste eine Wahl getroffen werden. Da das Wort „kreativ“ eingängiger erschien, heißt unsere Methode Kreativ-Synthetisch. Dabei soll betont werden, dass „kreativ“ die Erzeugungsfähigkeit der Methode hervorhebt, ohne dass die schöpferischen Elemente der Methode vernachlässigt werden. Dieser Aspekt der Sprache ist didaktisch in den Lernmaterialien umgesetzt worden, um die Kompetenzentwicklung der Lernenden zu fördern. Das heißt, diese Methode setzt sich zur Aufgabe, die Fähigkeiten und Potenziale der Lernenden anzuregen. Die Dynamik, die in den mit dieser Methode unterrichteten Kursen zu beobachten ist, hat ihren Ursprung in eben diesen in der Methode und der Didaktik berücksichtigten generativen Aspekte. Hieraus wird deutlich, dass nicht nur linguistische Betrachtungsweisen und Kenntnisse in die Kreativ-Synthetische Methode integriert worden sind, sondern auch die generativen Aspekte der Sprache. Hieraus gewinnt die Kreativ-Synthetische Methode ihre Stärke.

Zusätzlich zu der oben schon erwähnten Bedeutung des Kreativen weist die Einbindung dieses Begriffes im Namen der Methode auf ein anderes, ihr innewohnendes Merkmal, nämlich dem des produktiven Denkens hin. Dieses wird ermöglicht durch Berücksichtigung gestaltpsychologischer Elemente, welche dem Kernkonzept dieser Methode angehören. Bei der Auswahl des Begriffes „generativ“ wäre dieser Aspekt nicht zum Vorschein gekommen, daher konnte er kein zutreffendes Gesamtbild der Methode liefern.

Warum die Kreativ-Synthetische Methode im Alphabetisierungsbereich (und auch in anderen Bereichen des Sprachunterrichts) effektiv und wirkungsvoll ist und erfolgreich eingesetzt wird, hängt damit zusammen, dass sie genau das, was die Natur der Sprache ist, widerspiegelt und ihre Strukturen transparent darstellt. Sie erläutert die Sprachphänomene nicht künstlich auf Nebenschauplätzen, die nicht zum Sachverhalt des Lesens und Schreibens gehören, sondern sie selbst projiziert den Sachverhalt der Sprache, die Funktions- und die Lernweise als Methode. Die Anwendung der besagten Methode macht all diese Beziehungen der Sprache für die GT schnell, umfassend und dauerhaft nachvollziehbar. An dieser Stelle kann mit Recht von einer Alphabetisierung im Sinne der funktionalen Grundbildung gesprochen werden. Die alleinige Vermittlung des Alphabets, ein weitverbreitetes Missverständnis, kann niemals dazu in der Lage sein.