Aus der Presse

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“Der Mythos vom Alphabet"

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.1999

[...] “Ähnlich angestrengt sitzen die erwachsenen Schüler im Alphabetisierungskurs der Wiesbadener Volkshochschule. Mari Aradgoli, die Lehrerin, hat gerade einige Bilder verteilt, Ausschnitte aus Illustrierten. Die Schüler sollen mit wenigen Worten das Bild beschreiben - schriftlich. Die Erwachsenen umklammern dabei ihre Stifte wie Kinder, die zum ersten Mal allein mit Messer und Gabel essen dürfen: sehr bedächtig und unsicher. Der 38 Jahre alte Werner Keifert hält einen bunten Bleistift mit lustigen Motiven in der Hand. Ein Federmäppchen liegt ordentlich vor ihm auf dem Tisch. Keifert ist Beikoch, hilft Köchen bei der Arbeit. Er hat früher eine Sonderschule besucht, doch die Lehrer seien mit den vielen Schülern überfordert gewesen, erzählt er rückblickend. Nun möchte Werner Keifert seine Meisterprüfung nachholen, um nicht mehr nur Handlangerdienste auszuführen. Dazu muß er lesen und schreiben können. Also sitzt er jede Woche in der Volkshochschule und läßt sich von Mari Aradgoli, geboren in Täbris, Iran, die Grundzüge der deutschen Sprache beibringen.”

[...] “Mari Aradgoli berichtet, daß etwa 13 Prozent aller Hauptschüler jedes Jahr die Schule verlassen, obwohl sie nicht wirklich lesen und schreiben können. Damit meint die Lehrerin, daß sie keinen Satz flüssig lesen und schreiben können. Die Fachleute von der Stiftung Lesen und dem Bundesverband Alphabetisierung wissen ähnliches zu erzählen. Trotzdem erhielten die Schüler ein Abschlußzeugnis. Schlechte Klausuren würden einfach mit guter mündlicher Mitarbeit wettgemacht. Ihre Bewerbungen ließen sie sich dann von Freunden oder Verwandten schreiben, und erst, wenn an der neuen Arbeitsstelle das Lesen und Schreiben verlangt wird, kommt alles heraus.

[...] “Scham kennen die meisten Analphabeten oder Nichtleser, wie Mari Aradgoli sie höflich nennt. Die Scham, entdeckt zu werden, als dumm zu gelten, nicht gesellschaftsfähig zu sein. Niemand soll davon erfahren. Meist isolieren sie sich und behalten eine Vertrauensperson an ihrer Seite. Die hilft ihnen dann, wenn es gilt, Formulare auszufüllen, Straßennamen zu lesen oder die Urlaubspostkarte zu entziffern. Oder sie tarnen sich, geben vor, ihre Brille vergessen oder Kopfschmerzen zu haben. Mancher Behördengang wird zweimal absolviert. Beim ersten Mal wird nur das Formular abgeholt, beim zweiten Mal wird es dann ausgefüllt wieder mitgebracht. Mit der Zeit entsteht ein Mythos, der Mythos vom deutschen Alphabet. Die Buchstaben verschwimmen zu furchterregenden Hieroglyphen, nicht für jedermann zu erlernen und schon gar nicht im Erwachsenenalter. "Das Alphabet ist aber keine Alchimie", sagt Mari Aradgoli beschwörend, "es ist ganz einfach, wenn man es nur trainiert."”

 

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“Versandhauskatalog als einziger Lesestoff"

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. März 1999

 

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“Sprachkurs bringt Energie und Lockerheit"

Wiesbadener Kurier vom 5. Februar 1999

 
 

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“Mit Bildern und Farben die Angst vor dem Schreiben nehmen"

Wiesbadener Kurier, 21. Oktober 1998

 

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“Immer mehr Nichtleser"

Wiesbadener Kurier, 28. Mai 1997

 
 

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